Lutherdenkmal

Luthers Gefangennahme

Vom 16. bis zum 26. April 1521 weilte Martin Luther in Worms; am 17. und 18. April fand sein Verhör vor dem Reichstag statt. Unmittelbar vor dem Aufbruch, am Abend des 25.April, wurde Luther darüber informiert, sein Landesherr, Kurfürst Friedrich von Sachsen, habe mit seinen Räten erwogen, den Wittenberger Universitätsprofessor auf der Heimreise "einzutun", um ihn zu schützen.

Etwa 20 Reiter - nach Aleander im Auftrage des Ritters Franz v. Sickingen -  gaben am 26.April Luther das Geleit von Worms bis Oppenheim; für die Durchquerung Hessens hatte Landgraf Philipp (reg. 1518-1567) einen Geleitbrief ausgestellt. Von Oppenheim an begleitete der Reichsherold Kaspar Sturm die Reisegesellschaft; in zwei Wagen fuhren Martin Luther und fünf Begleiter, darunter Nikolaus von Amsdorf, Justus Jonas und Luthers Ordensbruder Johannes Zacharias Petzensteiner. Über Frankfurt am Main, Friedberg, Grünberg und Hersfeld gelangten die sechs nach Eisenach, wo sie am 1. oder 2.Mai eintrafen. Im Verlaufe des 3.Mai ließ man in Eisenach Luther die Anweisung zukommen, nicht die große Heerstraße nach Gotha zu benutzen, sondern eine Seitenstraße, die über Altenstein, Schweina und Waltershausen gleichfalls nach Gotha führt; als Vorwand für diesen Umweg ließ sich ein Besuch bei Luthers Verwandten in Möhra nutzen. Am 4.Mai hielt Luther vor der Kirche, der Pfarrer verschloß aus Angst vor nachträglichen Vorwürfen die Kirche, einen gutbesuchten Gottesdienst und seine Verwandten begleiteten ihn noch ein gutes Stück bis sie umkehren mußten, um vor Dunkelheit wieder zu Hause zu sein.

Wenige Minuten vor 6 Uhr abends zwangen vier oder fünf Reiter in der Nähe der Burg Altenstein, bei Schweina, Luthers Reisewagen zum Halten, rissen Luther aus dem Wagen, während Amsdorf zum Schein laut schrie und Petzensteiner, der nicht eingeweiht war und den Überfall für echt hielt, entfloh. An dieser Stelle kreuzt der alte Weg von Schweina die Straße zum „Glasbach“. Luther mußte zunächst, wie ein echter Gefangener, zu Fuß neben den Reitern herlaufen. Erst als der Wagen mit Amsdorf verschwunden war, gaben sich die Reiter zu erkennen. 

 

Bei einer Quelle etwa 300m abseits der Straße wartete man die völlige Dunkelheit ab, bevor man den Ritt zur Wartburg antrat. Für die zurück bleibenden Gefährten Luther´s sah es so aus als ob die Reiter mit Luther Richtung Brotterode im Wald verschwanden, damit wollte man von der Wartburg ablenken, die in völlig entgegengesetzter Richtung liegt.

 Als Mönch ein "ungeübter Reiter", traf Luther müde nach langem Umweg, dem Verwischen der Spuren dienendem Kreuz- und Querreiten gegen elf Uhr nachts auf der Wartburg ein.

 

Hier erwarteten ihn zwei offensichtlich befreundete Ritter: Hans von Sternberg und Hans von Berlepsch, der Schloßhauptmann der Wartburg. Beide Herren empfingen Luther freundlich; Berlepsch, der offensichtlich den Scheinüberfall organisiert hatte, ließ dem Ankömmling sogleich sein Ordensgewand wegnehmen und ihn mit schon bereitgelegter ritterlicher Gewandung bekleiden. Martin Luther, damals 37 Jahre alt, sollte als adliger Staatsgefangener erscheinen; der fiktive" Junker Jörg" mußte sich daher zunächst Haupt- und Barthaar wachsen lassen, ehe er die ihm zugewiesenen beiden Räume des "Rittergefängnisses" der Wartburg verlassen durfte.

Hans von Berlepsch hatte nicht nur die Aufgabe, Luther nach außen abzuschirmen und seine Versorgung mit Nahrung (regelmäßig morgens um 10 Uhr und abends um 5 Uhr) und Kleidung zu überwachen, sondern auch die delikate Pflicht, die politisch bedingte Metamorphose Luthers glaubwürdig erscheinen zu lassen, kurz den Bettelmönch zu einem Adligen zu erziehen. Nicht nur die Künste des Reitens und der Jagd, vielleicht auch die Anfangsgründe des Umgangs mit dem Schwert zu üben, sondern das gesamte Auftreten als Edelmann, das Gehen, Stehen und Lachen. Einzig den Weingenuß mußte Luther nicht eigens erlernen. Darüber entwickelte sich zwischen beiden eine Freundschaft, die bis zu Berlepsch relativ frühen Tode (1533) andauerte; Luther hat auch theologische Interessen Berlepschs zu wecken verstanden und ihm später seine Publikationen verehrt.

 

Über dem Tor befanden sich die Privaträume des Burghauptmanns, rechts daneben, hinter den beiden Bogenfenstern, die kleine Burgkapelle.

 

An der Stelle, an der sich die “Räuber”, Luther zu erkennen gaben und rasteten, steht heute noch der Gedenkstein. Gleich dahinter befindet sich die Quelle.

Herzog Bernhard Erich Freund ließ den Gedenkstein im Jahre 1857 errichten.