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Die Festungsfront im Oder-

           Warthe-Bogen

 

Fährt man auf der Europastraße 40 ostwärts,erreicht man ca.50km hinter Frankfurt/Oder in der Nähe von Grünberg und Schwiebus eine der größten noch erhaltenen Festungsfronten in Europa.Nur mit geübten Auge erkennt man Bunker und Stahlkuppeln als Bestandteile der komplexen Festungsfront.Die Front beginnt bei Schwerin an der Warthe,verläuft südlich über Meseritz in das Gebiet von Schwiebus.

Die Festungsfront war ursprünglich auf eine Länge von 110km und eine Breite von drei Kilometern geplant.Ihre ursprüngliche Funktion war die Verteidigung der 120km entfernten Reichshauptstadt,denn bei einem potentiellen Krieg würden die ersten Operationsziele der polnischen Streitkräfte in diese Richtung zielen.

Die Überreste der Panzerwerke prägen noch heute das Lebuserland im Gebiet zwischen Oder und Warthe.Sie ist nach der Maginot-Linie hinsichtlich ihrer Ausdehnung und technischer Ausstattung die bedeutenste Festungslinie Europas.

Die Planungsphase

Im Versailler Vertrag vom 28.Juni 1919 verlor das Deutsche Reich einen Großteil seiner Grenzbefestigungen im Osten und Südosten durch die Errichtung neier Staaten.Die in ihrer zahlenmäßigen Stärke und hinsichtlich der Ausstattung mit modernen Waffen nachhaltig reduzierte Reichswehr,stand vor der Aufgabe die Verteidigungsfähigkeit nach Osten völlig neu zu organisieren.

Nach Artikel 180 des Versailler Vertrages war der Neubau von Festungsanlagen in Deutschland untersagt.Nach der Unterzeichnung des Pariser Abkommens 1927 wurde geregelt, welche Grenzbesestigungen Deutschland errichten darf.Da die vorhandenen Festungen veraltet waren,war man gezwungen neue Konzepte zu entwickeln.Die Gürtelfestungen(Verdun,Faux,Souville) mit einem Ring von Außenfestungen,entsprachen nicht mehr dem Bild vom Höchstmaß an Wiederstandskraft.Landbefestigungen unter bestmöglichster Ausnutzung der natürlichen Geländehindernisse traten an ihre Stelle.Hier tritt bereits der Leitgedanke Dr. Fritz Todt`s zu Tage:“Natur ist die beste Tarnung!“.Die einzelnen Festungswerke lagen unter der Erde und wurden mit einem Haupttunnel verbunden.

Baubeginn

Am 30.10.1935 wurde in Anwesenheit von Generaloberst Freiherr v. Fritsch,nach Genehnigung durch Hitler der gigantische Bau in Oderbruch begonnen.In Frankreich baute man bereits an der „Maginot-Linie“,in der Tschechei an der „Benes-Linie“,in Griechenland an der „Metaxas-Linie“,in Russland an der „Stalin-Linie“ und selbst in Tunesien an der „Maret-Linie“.

Das Projekt sah eine Bauzeit von sieben Jahren vor.Zwei Infanteriedivisionen mit ca 35000 Mann ,davon ein Drittel Stammbesatzung ,sollten den Ostwall besetzen.

Die Kosten wurden mit 600 Millionen Reichsmark veranschlagt.

 

Strategie & Bewaffnung

Für die Kampfführung waren alle Gewässer mit neuartigen Kampfwagenhindernissen ausgebaut.Zur Festungslinie gehörten Einzelwerke,Werkgruppen,Panzerbatterien und dergleichen. Panzertürme waren mit zwei,drei oder sechs Scharten für Maschinengewehre,5-cm Maschinengranatwerfer M19,für Festungsflammenwerfer mit 75m Reichweite,für 10-cm Turmhaubitzen oder 5-cm Panzerabwehrkanone ausgestattet.Auch gab es eine Vielzahl von Beobachtungskuppeln,Schartenplatten und anderen Festungsbauelementen.Das Gewicht der Stahlgusskuppeln schwankte nach Größe zwischen 41 Tonnen bis 63 Tonnen.

Besonderer Augenmerk wurde auf umfangreiche Fernmeldeanlagen gelegt.Die Verbindungen waren zwischen allen Werkgruppen geplant und auch größtenteils fertiggestellt.In Depots mussten Vorräte für sechs Monate geagert werden.

Die bombensicheren Hauptstrecken waren für eingleisige Feldbahn und Fußgängerverkehr in Doppelreihe vorgesehen,Nebentunnel ebenfalls eingleisig und für einfachen Fußgängerverkehr.

Die Gewässer im Einzugsbereich der Fetsungslinie wurden direkt in die Verteidigungslinie mit einbezogen.An der Nord-Süd-Achse betraf dies die Zuflüsse von Oder und Warthe.Stauanlagen wurden so konstruiert,dass man den Wasserstand heben und senken konnte.Die durch das Hauptkampffeld führenden Brücken wurden als abdreh- oder versenkbare Kipprollbrücken konstruiert, Schlagbäume waren gepanzert.Unterteilt wurde die Festungsfront in den Nord-, Süd- & Zentralabschnitt.Der Nord- und Südabschnitt war mit Werkgruppen bzw. Einzelwerken ausgestattet,an Schlüsselstellungen und dergleichen deckten Maschinengewehr- & PAK-Unterstände Kreuzungen und dergleichen.

Von den 330 geplanten Werken wurden nur 83 Panzerwerke & 14 Schartenstände fertig.Verwaltet wurde die Festungsfront vom Grenz-Abschnittskommando 12 in Küstrin,welches ebenfalls Festungskommando war.

 

Die Festungsfront im Krieg

Nach dem erfolgreichen Polenfeldzug,bei dem es zu keinem Kampfeinsatz an der Festungsfront kam,verlor der Ostwall strategisch an Bedeutung.Wichtige Teile an Geräten,Nachrichtentechnik ,Kabel & Hindernismaterial wurden demontiert,woanders weiterverwendet.In die leeren Hohlräume wurden

Akten berliner Ministerien eingelagert,ebenso zogen ausgebombte Betriebe ein.

Dieses Vorgehen,geprägt von einer immer stärker spürbar werdenden Mangel-

Wirtschaft,wirkte sich 1944 ,als der Krieg nach Deutschland zurückkam ,verheerend auf die Anlage aus.Die hektisch einsetzenden Armierungsmaß-

nahmen begannen mit der unumgänglichen Modernisierung vorhandener Anlagen.

Weitere Baumaßnahmen betrafen:die Innenausstattung mit Lüftern,Öfen,Waffen,

Munition,Feld-& Geschützstellungen.Aber auch hier wirkten sich die allgemeinen Mangelzustände vor allem an Betriebsstoff für die Lastwagen drastisch aus.

Den in die Anlage verlegten Truppen fehlte es an Erfahrung im Umgang mit der festungsspezifischen Bewaffnung & Ausrüstung.

 

Der Ostwall wird Front

In der Nacht vom 20.-21. Januar 1945 wurde durch den Wehrkreis III –Brandenburg mit der Losung „Gneisenau“ der Einsatzbefehl für den Oder-Warthe-Raum gegeben.

Entlüftung & Heizung in großen Teilen der Anlage arbeiteten nicht,Sanitäts- & Vorratsräume waren leer und meist war kein Strom da.

Durch den anhaltenden Frost funktionierten die Verschlüsse der Regulierungsanlagen an den Stauwerken nicht.Die vorbereiteten Panzer-

sperren konnten zwar geschlossen,aber nicht gesichert werden.

Ohne nennenswerten Wiederstand wurde die Festungsfront an der Straße von Kalau nach Hochwalde von der 44.Gardepanzerarmee durchbrochen.Ohne wesentliche Verluste erreichte die Brigade den Truppenübungsplatz Wabdern und igelte sich dort ein.Der 35. Gardeschützenarmee geland es in den Rücken der Linie vorzustoßen.

Kampf um das Panzerwerk 712

An den Panzergraben fuhren 14 Panzer heran,standen 150m vor dem Panzerwerk und begannen ,nach drei geschlossenen Salven,Dauerfeuer zu schießen.Nach über einer Stunde brach das Feuer ab.Ein Maschuinengewehrturm & ein Minenwerfer fielen teilweise aus,ein Mann leicht verwundet aber 712 blieb kampffähig.Die Panzerbesatzungen stiegen aus,um die Wirkung des Fdauerfeuers zu begutachten,wurden mit Dauerfeuer aus dem MG-Turm empfangen und verloren sieben Mann.Wütend setzten die Panzer ihren Dauerbeschuß fort ,verschossen ihre gesamte Munition,mussten nach fast sechs Stunden abziehen.

Das Panzerwerk 712 blieb kampffähig.

Das Ende

Bei einer Frontfahrt,von russischen Panzerspitzen im Raum Zielenzig überrascht,

ließ SS-Brigadeführer Bailauf  die Festungspläne in seinem Wagen zurück.Dadurch war es den Russen möglich gezielt in die Anlage einzudringen,diese von innen

aufzurollen und zu besetzen.

Fazit

Die Festungskampflinie wurde in weniger als vier Tagen von den Russen überwunden,kostete aber den Russen 2500 Tote.

Fehlende Artillerie,unzureichende Panzerabwehr,fehlende ausgebildete Truppen,

Munitionsmangel also vor dem Krieg bereits erkannten Mängel führten letztendlich zum Scheitern einer erfolgreichen Abwehr am Ostwall.

 

 

Die Anlage nach dem Krieg & heute

Teilweise sprengten die Russen die Anlagen,teilweise wurden sie auch von den Russen genutzt.Einige Teile der Anlage sind heute zugänglich,Am Panzerwerk 717 befindet sich ein kleines Museum,dort sind auch geführte Begehungen möglich.