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Die REIMAHG bei Großeutersdorf
Die Me-109 war der Standardjäger der deutschen Luftwaffe. Diese solide und vielseitige Maschine wurde einschließlich der verschiedenen Varianten mit 30573 Stück zum meistgebauten Jäger des Zweiten Weltkrieges. Allerdings überholte sich der Entwicklungsstand der Maschine mit den zunehmenden Veränderungen in der Luftkriegsführung bereits zwischen 1940-1943.
Spätestens 1943 wurde mit der systematischen Auflistung von Hohlräumen in Deutschland begonnen. Allein im Raum Pößneck-Lehesten-Sitzendorf wurden 41 Anlagen erfasst, von denen mindestens 33 einen Tarnnamen erhielten.
Allein drei der erfassten Anlagen lagen im Walpersberg. Seit 1897 bauten hier die Porzellansandgruben Großeutersdorf einen kaolinischen, feldspatreichen Sandsteinhorizont ab.
Im Laufe der Jahre entstanden so eine große Anzahl mehr oder weniger parallel zueinander verlaufender Stollen von 3-4m Breite, etwa 4m Höhe und einem Abstand von 5-10m auf einer Sohle. Diese etwa in Nord-Südrichtung verlaufenden Stollen waren etwa 70-220m lang.
Auch die logistische Anbindung war sehr gut, der Berg lag direkt an der Eisenbahnstrecke München-Berlin,
auch die Entfernung zur Autobahn betrug nur wenige Kilometer.
Von Nachteil war die inselförmige Lage des Berges und der etwa 60m betragende Höhenunterschied zwischen Gleis und Stollenanlage.

Der Ausbau der Anlage
Baubeginn am Walpersberg war am 11.4.1944.
Da das Gestein selbsttragend war, der alte Teil der Porzellansandstollen war 50 Jahre alt, benötigte man keinen Ausbau der Strecken. Lediglich gegen die Absandung wurden 3cm Spritzbeton aufgetragen.
Mit der Fertigstellung der gesamten Anlage hätte eine Produktionsfläche von 150000 Quadratmetern zur Verfügung gestanden. Das gesamte Stollensystem hätte eine Länge von 30 km erreicht, es wurden während der elfmonatigen Bauphase aber nur 15 km erreicht.

Der Vortrieb lag bei etwa 4 m pro Tag in den bis zu 6m breiten Stollen, Spitzenleistungen wurden mit bis zu 7m ausgewiesen. Die Orte waren mit 10 Mann besetzt, wovon zwei Bergleute waren.
Ein großes Problem entstand durch die unzureichende Bewetterung der Strecken, Schießschwaden und Nebel füllten oft die Abbaue. Auch die Wetter in den Fertigungsräumen waren schlecht.

Übertageanlagen
Auch viele der übertägigen Anlagen die zum Betreiben der gesamten Anlage notwendig waren, sind nicht oder nur teilweise vollendet. Auch die geplante Ringstraße um den ganzen Walpersberg, der als Tafelberg ein inselartiges Dasein führt, ist nur teilweise vollendet.
Bei Beendigung der Arbeiten zählte man 45 Eingänge in den Berg. den Be
Neben einigen Verwaltungs- und Unterkunftsräumen befanden sich in den fertiggestellten Stollen vor allem Werkstätten für Grob- und Feinmechanik, die Schmiede, die Klempnerei, eine Tischlerei, eine Sattlerei, das Maschinenhaus, drei Glühöfen, Magazine für Bleche, Holz, Farben sowie eine große vollständig gefließte Betriebsküche mit den erforderlichen Nebenräumen sowie ein Speisesaal und Wasch- und Toilettenräume.
Die vollständige Endfertigung der anlaufenden Flugzeugmontage befand sich in den Bunkern und einbetonierten Holzhallen vor den Stollen.
Als umstritten galt der Bau der Startbahn auf dem Bergrücken. Auf einer Länge von 1000m wurde der gesamte Wald gerodet und die Bahn planiert. Breit war die Bahn 30m. Durch Anschüttungen des planierten Materials wurde die Bahn noch einmal um 125m verlängert.
Da die Bahn zu kurz für die Me-262 war, wurde sie an beiden Enden abgeflacht gebaut und die Maschinen mussten mit Startraketen starten. Die beim Bau bewegten Erdmassen können auf etwa 75000 Kubikmeter geschätzt werden.
Zur Planierung des Bergrückens wurden täglich mindestens 800 Arbeitskräfte gebraucht.
Der Schrägaufzug
Der Niveauunterschied zwischen Werkstraße und Startpiste betrug etwa 85m. Die optimalste Lösung für dieses Problem wurde im Bau eines Vier-Schienen-Schrägaufzuges gesehen. Der Aufzug befand sich etwa 250m von dem die Montagehallen verschließenden Bunker Null entfernt. Bei einem Steigungswinkel von 27° wurden die Flugzeuge mittels einer Plattform zur Startbahn hinaufgezogen. Die teilbetankten Maschinen wurden hier mit Rohöl J2, welches in 200l Fässern mit dem Aufzug hinaufgeschickt wurde, vollgetankt.
Nach der Betankung des Anlassermotors, der Überprüfung des elektrischen Bordnetzes, dem Anschluß der Starthilfsraketen und des Turbinenprobelaufes, starteten die Maschinen nach Zerbst, wo sie fertig ausgerüstet und eingeflogen wurden.

Der Aufzug früher. Der Aufzug nachdem er
geschliffen wurde. Deutlich ist
die Betonplombe eines illegalen
Einganges zu erkennen.
Der Berg nach Kriegsende und heute
Die REIMAHG erlosch offiziell am 1.1.1946. Die Demontage im Werksbetrieb dauerte aber noch Sommer 1947 an. Dann begannen die umfangreichen Sprengarbeiten an sämtlichen Außenbauwerken, den Haupteingängen, sowie an der Startbahn. Am stabilsten zeigte sich Bunker 1, der nicht vollständig zerlegt werden konnte. Die Russen wollten das gesamte Stollenwerk sprengen. Doch trotz Sprengkammern in den tragenden Pfeilern widerstand der Berg.

Wer heute die B 88 entlangfährt, sieht kaum noch etwas von der ersten untertägigen Flugzeugfabrik der Welt.
Die Vegetation überdeckt die meisten Spuren, lediglich auf dem Plateau findet man alle sechs Meter einen Sprengtrichter. Der Schrägaufzug wurde im Frühjahr 2001 geschliffen. Bei einer Sprengung des Luftschachtes am Nordhang rutschte dieser nur schräg und wurde mit Beton verfüllt.
Sichtbar sind noch Brückenpfeiler im Dehnatal, der Schrägaufzug für Eisenbahnwaggons und die Schmiergrube für Diesellocks.
Mitte der 70er Jahre wurden Teile des Stollenwerkes von der NVA, zusammen mit anderen Objekten, wieder genutzt. Das zuständige Bergamt begann mit den Aufwältigungsarbeiten Ende der 70er Jahre. Als das Objekt im Zuge der Wiedervereinigung an die Bundeswehr überging, wurde die Anlage geräumt und verschlossen.
   
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